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Stiftung Wagerenhof, Unterstützen

Besuch der mobilen Zahnklinik

Unternehmenskommunikation,

12. Februar 2026

Das Team aus der Klinik für Allgemein-, Behinderten- und Seniorenzahnmedizin der Universität Zürich (UZH) bringen Zahnmedizin direkt zu den Menschen im Wagerenhof. Halbjährlich fahren sie mit ihrem mitgebrachten Mobiliar bei uns vor und tragen so direkt zur Lebensqualität unserer Bewohnerinnen und Bewohner bei.

In Leichter Sprache

  • Die mobile Zahnklinik besucht den Wagi alle 6 Monate.
  • Die Klinik kommt mit einem grossen Wagen in den Wagi.
  • Es befinden sich Möbel und Geräte im grossen Wagen.
  • Zwei Zahnärzte und zwei Assistentinnen richten die Sprechzimmer im Wagi ein.
  • Die Bewohnenden haben deshalb einen kurzen Weg zum Zahnarzt.
  • Die Bewohnenden sind froh, dass sie nicht weit weg müssen.
  • Die Bewohnenden kennen die Zahnärzte.
  • Die Bewohnenden haben Vertrauen in die Zahnärzte.

Es ist Mittwochmorgen, kurz vor 8 Uhr, als ein Kleinlaster mit Anhänger vor dem Wagerenhof parkt. Vier sportlich gekleidete Personen steigen aus und stellen sich vor. Der Mann mit Turnschuhen und Sportjacke streckt gut gelaunt die Hand aus. «Guten Morgen. Wir sind alle per Du», sagt er. Es ist Dr. Hansmartin Spatzier, Oberarzt der mobilen Zahnklinik der UZH. Auch seine Kolleginnen, Dr. Angela Stillhart und die beiden ausgebildeten Dentalassistentinnen Claudia und Daniela, geben sich fröhlich zu erkennen. Sofort ist spürbar: Die mobile Zahnarzt-Crew ist nicht zum ersten Mal im Wagi.

Mit einer entschlossenen Bewegung öffnet Dr. Spatzier die Verriegelung des Anhängers. Er lässt die Rampe hinunter und steigt in den Laderaum. Rund ein Dutzend schwere Kisten sind mit Spanngurten gesichert. Mit geübten Handgriffen löst der Zahnarzt zuerst die Gurte, dann mit dem Fuss die Rad-Bremsen. Das ganze Team hat inzwischen die Ärmel hochgekrempelt. Gemeinsam ziehen sie Kiste für Kiste aus dem Laderaum und stossen sie in den Lift. Das mitgebrachte Mobiliar reicht für zwei komplett eingerichtete Sprechzimmer in der Gesundheitspraxis des Wagerenhofs.

Seit zehn Jahren ist Dr. Spatzier mit der mobilen Zahnklinik unterwegs. «Meine Arbeit ist erfüllend», sagt er begeistert. Seine Patientinnen und Patienten sind ausschliesslich Menschen, die wegen einer Behinderung oder altershalber nicht mehr selbstständig sein können. Er und sein Team suchen die Patientinnen und Patienten in ihrem Zuhause auf, anstelle sie in die Praxis zu bemühen. «Mit unserer Dienstleistung tragen wir direkt zur Lebensqualität von Menschen mit Unterstützungsbedarf bei». Die Arbeit bestehe aus viel Beziehungsaufbau, so der Zahnarzt weiter. «Gelingt es uns, das Vertrauen der Bewohnerinnen und Bewohner zu gewinnen, können wir professionell helfen». Inzwischen sind alle Möbel ausgepackt, die beiden Behandlungszimmer eingerichtet. Die Speichelsauger und Ultraschallgeräte laufen und auch die autarke Wasserversorgung ist gesichert, dafür hat das zahnärztliche Team eigens das Wasser nach Uster mitgebracht.

Dass alles so reibungslos funktioniert, ist nicht zuletzt Monika zu verdanken. Sie arbeitet im Wagerenhof in der medizinischen Administration. Seit Wochen sorgt ihr Team dafür, dass die nötige Infrastruktur steht und die Termine für die Bewohnerinnen und Bewohner des Wagis mit allen beteiligten Stellen koordiniert sind.
Im Vorfeld gibt es viel zu klären, wie Monika berichtet: Sind die gesetzlichen Vertreter der Bewohnenden informiert? Möchten sie mitkommen? Welche Medikamente müssen rechtzeitig abgesetzt oder verabreicht werden? Wer betreut, wer bringt, wer holt ab? Auch kurzfristige Änderungen gehören dazu und müssen berücksichtigt werden. Monika und ihr Team haben alles im Griff. Die kommenden drei Tage sind komplett durchgeplant.

Konzentriert und schnell

Die ersten Bewohnenden machen sich auf den Weg zu ihrem Termin. Die beiden Zahnärzte lesen sich währenddessen in die ersten Patientendossiers ein. Dem Zufall wird nichts überlassen, sie bereiten sich sehr konzentriert vor. Sind die Bewohnerinnen und Bewohner einmal vor Ort, möchte man keine Zeit verlieren. Pünktlich um 9 Uhr betritt die erste Bewohnerin das Sprechzimmer in Begleitung ihrer Betreuungsperson. Der bereitgestellte Patientenstuhl bleibt unbesetzt, sie möchte in ihrem Rollstuhl sitzen bleiben. Dr. Spatzier kennt die Patientin bereits und grüsst sie herzlich. Dann geht alles sehr schnell. Mit geschickten Fingern öffnet er den Mund der Patientin und verschafft sich einen Überblick. «2.2. da, 2.3. da, 2.4. da, ...». Er benennt die vorhandenen Zähne fürs Protokoll und kontrolliert sie gleichzeitig auf ihre Gesundheit. Assistentin Claudia hält alles schriftlich fest. Danach beginnen Zahnarzt und Dentalassistentin sofort mit der Reinigung der Zähne. Das Ultraschall-Gerät macht die Bewohnerin nach einigen Minuten etwas unruhig. Sie möchte den Kopf drehen. Dr. Spatzier spricht ihr beruhigend zu: «Das schaffen wir noch». Doch die Unruhe legt sich nicht, sie zerrt an der Serviette und beginnt zu husten. «Eine Zahnbehandlung ohne Narkose wäre bei dieser Patientin kaum möglich», gibt Dr. Spatzier zu bedenken. Die für die Zahngesundheit so wichtige Reinigung konnte er dennoch zufriedenstellend beenden. «Wir sind laufend am Abwägen, welche Behandlungen für die Patienten zumutbar sind». Sein Ziel sei immer, das Vertrauen unserer Bewohnenden zu gewinnen und sie dann möglichst ohne Narkose behandeln zu können.

Gute Mundhygiene dank intensiver Betreuung

«Erfreulicherweise verfügen Menschen mit intensivem Betreuungsbedarf über sehr gute Mundhygiene», stellt Dr. Stillhart fest. Ihr Spezialgebiet ist die Forschung, und auch sie ist schon seit vielen Jahren mit der mobilen Zahnklinik unterwegs. «Wer regelmässig isst und auf Zwischenmahlzeiten verzichtet, tut seinen Zähnen etwas Gutes», erklärt sie. Zudem gehört es zum Auftrag von Betreuungspersonen, die Menschen bei der Zahnreinigung zu unterstützen. Je intensiver die Betreuung, desto gründlicher fällt meist auch die Zahnreinigung aus.
Auch bei der nächsten Patientin steht eine besonders anspruchsvolle Behandlung bevor. Wegen eines Herzfehlers verabreichte man der Bewohnerin eine Stunde vor dem Termin ein Antibiotikum. Dr. Spatzier studiert die Röntgen-Karte der letzten Untersuchung. Wie gewohnt rapportiert er die vorhandenen Zähne an seine Assistentin und beginnt unmittelbar darauf mit der Zahnreinigung. Speichelsauger und Ultraschallreiniger dröhnen. Die Patientin bleibt ruhig, sie ist mit dem Ablauf der Behandlung vertraut. Als der Wasserstrahl zu kitzeln beginnt, muss sie sogar kichern. Nach rund 20 Minuten verlässt sie das Sprechzimmer wieder.

Dr. Stillhart und Dr. Spatzier sind sich der anspruchsvollen Aufgabe bewusst: «Das muss man wollen». Für einen Blickbefund könne es durchaus nötig sein, sich auf den Boden zu legen oder auf einen Tisch zu stehen.
Der nächste Bewohner wird von seiner Mutter begleitet. Als gesetzliche Vertretung hat sie das Recht, dabei zu sein. Dr. Spatzier begrüsst das. Eine gute Zusammenarbeit zwischen Eltern und Zahnarzt sei wertvoll. Entscheidungen über anstehende Behandlungen lassen sich so schneller besprechen und gemeinsam abwägen. Während Dr. Spatzier den hartnäckigen Zahnstein entfernt, streichelt die Mutter ihrem Sohn die Hände und spricht ihm beruhigend zu. Zahnstein ist bei vielen Patienten ein Thema: Je mehr Speichel sich im Mund sammelt, desto anfälliger sind die Zähne dafür.

Ziel ist, Vertrauen zu gewinnen

Bei Patienten mit schwersten Behinderungen kann die Unterstützung durch therapeutisches Fachpersonal nötig sein. Angela arbeitet als Physiotherapeutin im Wagerenhof. Sie weiss genau, welche Bewegungen für den nächsten Bewohner möglich sind. Vorsichtig nimmt sie seinen Kopf in ihre Hände und hilft ihm, eine angenehme Position zu finden. Das mitgebrachte Kissen legt sie in seinen Nacken. Während der gesamten Behandlung lobt Dr. Spatzier seinen Patienten immer wieder: «Du bist super». Da er nicht einschätzen kann, ob aufgrund einer Blutgerinnungsstörung des Bewohners bei der Reinigung besondere Nachblutungen auftreten, beendet er die Behandlung vorsorglich früher. «Beim nächstes Mal machen wir mehr», sagt er. Wieder muss der Zahnarzt abwägen: Gelingt es, das Vertrauen des Patienten zu gewinnen, kann er beim nächsten Termin eine ausführlichere Behandlung ohne Narkose durchführen – sein grosses Ziel.

Gesundheitspraxis im Haus

Dass viele unserer Bewohnenden im vertrauten Zuhause zum Zahnarzt können, ist keine Selbstverständlichkeit. Die mobile Zahnklinik des Zentrums für Zahnmedizin in Zürich macht das inzwischen seit 20 Jahren möglich. Ein grosser Dank gilt auch unserer internen Gesundheitspraxis, die die ganze Organisation abwickelt und die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. Und vor allem unseren Spenderinnen und Spendern. Unterstütze medizinische Angebote wie die mobile Zahnklinik.

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