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Fachstrategie, Stiftung Wagerenhof, Unterstützen

Freunde finden und verstehen - aber wie?

Unternehmenskommunikation,

30. Januar 2026

Freunde haben und in einer Gemeinschaft eingebunden sein. Beide Elemente sind für die Lebensqualität entscheidend. Jeder Mensch braucht soziale Beziehungen. Was tut der Wagerenhof, damit die Bewohnerinnen und Bewohner das Grundrecht auf zwischenmenschliche Beziehungen wahrnehmen können?

In Leichter Sprache

  • Freunde sind wichtig.
  • Nicht jeder Mensch ist ein Freund.
  • Es gibt Unterschiede.
  • Zum Beispiel zwischen Freunden, Kollegen und Mitarbeitende.
     
  • Der Wagerenhof hilft zu verstehen:
  • Wann ist eine Freundin eine Freundin?
  • Wie finde ich einen Freund?
  • Wie verstehe ich eine Freundin?
  • Zum Schluss erhalten alle eine Bestätigung.

Mira* und vier weitere Kolleginnen sowie Kursleiter Marc und Fabian sitzen in einem Kreis. Es ist der erste von vier Kurstagen, der im Freizeitraum zum Thema Kontakte und Freundschaft stattfindet. «Ich will einfach mehr Kontakt aufnehmen», antwortet Tabea* auf die Frage, warum sie heute hier ist. «Und wie geht das?», bringt Marc die Diskussion ins Rollen. Tabea* weiss es: «Zum Bispil schön hoi sägä oder uf de Gruppe fründlich si». Auch Romy*und Juna* haben eine Idee. Einstimmig sagen sie: «D’Ohre sind offä».

Beziehungen sind wichtig - welche kennen wir?

Nachdem Marc die Vorkenntnisse der Gruppe abgefragt hat, fasst er das Ziel des ersten Kurstages zusammen: «Der Mensch ist ein soziales Wesen. Zwischenmenschliche Beziehungen sind deshalb sehr wichtig. Ihr lernt, wie man Kontakte knüpft und mit ihnen umgeht. Viele Kontakte führen nicht automatisch zu vielen Freundschaften.» Mit diesen Gedanken startet das erste Thema. Welche Kontakte kennen die Teilnehmenden bereits? Die Piktogramme auf den Kurs-Blättern helfen, das Gesagte besser zu verstehen. Es gibt Bilder für die Familie, für Freundinnen oder für Mitarbeitende. Gemeinsam ordnet die Gruppe bereits bekannte Namen den richtigen Symbolen zu. «Mami und Papi gehöred zude Familie, d’Schwöschter au.», kommentiert Tabea*.

Liebespaar - was heisst das eigentlich?

Es gibt viele Fragen rund um das Thema Freundschaft und Kontakte. So zum Beispiel, wie man sich gegenüber einer Mitarbeiterin verhält, wie gegenüber dem besten Freund. Beim Wort Liebespaar wird Romy* besonders hellhörig. «Das heisst: Ich liebe dich», sagt sie. Ihre Kolleginnen kichern verlegen. Für Romy* ist das Thema wichtig. Ohne Umschweife erzählt sie, dass sie single sei und sich eine Liebesbeziehung wünsche. Mit spürbarer Sehnsucht fügt sie hinzu: «Ich will Händli hebä und knutschä». Auch Juna* interessiert die Liebe: «Eine Beziehung muss man pflegen. Man darf nicht schlagen - und auch nicht beissen», sagt sie und ergänzt: «Umarmungen passen besser». Ein Stichwort, das Tabea* zum Strahlen bringt: «Mit meiner Mutter ist Umarmen normal.» Und Juna* fügt hinzu: «Aber eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter umarmt man nicht so fest». Die Teilnehmerinnen sind ganz bei der Sache und gestalten den Kurs lebendig mit. Die Kursleiter fassen die wesentlichen Punkte jeweils zusammen: «Zwischen Familie und Mitarbeitenden gibt es einen wichtigen Unterschied: Die Familie bleibt, die Mitarbeitenden hingegen wechseln».

Wer Freunde hat, ist oft zufriedener

Familie, Freundschaften, Bekanntschaften - Immer wieder vergleicht die Gruppe die verschiedenen Arten von Beziehungen miteinander. Klar wird: Jeder Mensch empfindet anders. Und trotzdem gilt für alle: Wer Freundinnen hat, ist oft zufriedener. «Ohne Beziehungen wäre es kalt auf der Welt», doppelt Marc nach. Aber: Man kann sich nicht mit allen Menschen zusammentun. Diese Erkenntnis lässt Juna* tief seufzen: «Bei zu vielen Freunden schnürt es einem die Luft zu». Romy* sieht es etwas anders. 12 oder 13 Freunde habe sie. Das macht sie glücklich.

Immer wieder werden in der Gruppe konkrete Beispiele diskutiert. Diese helfen, die Tipps im Alltag umzusetzen. Marc will wissen, was man konkret tun kann, um eine Freundschaft zu pflegen. «Man darf sich nicht verletzen», sind sich alle einig. Und wenn es doch mal Streit gibt? «Dann lässt man sich wieder sein», gibt Juna* zur Antwort und doppelt nach: «Jeder geht seinen Weg.» Marc wird noch etwas konkreter. Eine Möglichkeit sei, Hallo zu sagen und fragen wie es geht. Dies sei immer ein guter Anfang. Dann taucht plötzlich die Frage auf, wie man ein Liebespaar wird. Was einige schon wissen: Der Wunsch nach Liebe ist nicht immer gegenseitig. Fabian klärt genauer auf: «Manchmal ist es schwer zu akzeptieren, dass eine Liebesbeziehung nicht möglich ist. Man kommt plötzlich mit den eigenen Gedanken nicht mehr klar, fühlt sich traurig, verwirrt oder überfordert. Wichtig ist in solchen Situationen zu wissen: Niemand ist allein. Die Mitarbeitenden sind immer für euch da, sie helfen und unterstützen euch.»

Hilfen für den Alltag

Jeder Kurstag bringt mehr Klarheit. Am letzten Tag werden die wichtigsten Erkenntnisse nochmals zusammengefasst und auf den persönlichen Kurs-Blättern notiert. Die Unterlagen sollen im Alltag helfen, sich an Besprochenes zu erinnern. Piktogramme zeigen wichtige Gesten. Zwei Hände, die sich halten, verweisen auf das Händeschütteln, um Kontakt aufzunehmen. In die Augen schauen wird mit rollenden Augen dargestellt. Fabian schreibt auf Miras* Kursunterlagen, was sie mit anderen unternehmen kann: Kino- oder Theaterbesuche, zusammen essen oder spazieren gehen. Weil Elin* oft überfordert ist, wenn das Gegenüber zu schnell spricht, erhält sie ein Handkärtchen. «Bitte langsam und klar sprechen, danke», steht darauf. Wenn sie einen Menschen kennenlernt, wird sie in Zukunft zuerst das Kärtchen zeigen.

*Die Namen wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.

Freundschaften und tragende Beziehungen

Durch Freundschaften erfahren wir Zuwendung und Wertschätzung. Soziale Beziehungen sind ein zentrales Element von Lebensqualität und sind die Basis für Entwicklungen und Selbstvertrauen. Im Wagerenhof Quartier leben und arbeiten gegen 1'000 Menschen. Das gibt Raum für vielfältige Begegnung und tiefe Freundschaften. 

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