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Betriebe, Stiftung Wagerenhof

«Mir redet mit!»

Unternehmenskommunikation,

07. Oktober 2026

Einmal im Monat trifft sich die Teilhaberunde, um sich über den Wagi auszutauschen, Fragen zu stellen und Anliegen einzubringen. Bis zu zwölf Bewohnende und fünf Fachpersonen nehmen regelmässig teil. Denn Mitsprache ist ein Menschenrecht: Die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) verpflichtet dazu, Menschen mit Behinderung in Entscheidungen, die sie betreffen, einzubeziehen.

Es ist Freitagmorgen, 9 Uhr. Die Teilnehmenden der Teilhaberunde warten bereits vor dem Sitzungszimmer. Die Tür geht auf, alle nehmen am runden Tisch Platz. Die heutige Sitzung wird von Simon aus der Agogik geleitet. Zu Beginn erzählen die Teilnehmenden, wie es ihnen geht und was sie momentan beschäftigt. So berichtet jemand von den PluSport-Ferien am Meer, eine andere Person von der Chilbi in Wetzikon. Auch Sorgen und Enttäuschungen haben Platz. «Die Krankenkasse hat die Finanzierung einer wichtigen Therapieform für mich abgelehnt. Das hat mich sehr enttäuscht.», meint eine Teilnehmerin.

In Leichter Sprache

Einmal im Monat trifft sich die Teilhabe-Runde.
Bewohnende sprechen über den Wagerenhof.
Sie stellen Fragen.
Sie bringen Ideen ein.
Sie sagen ihre Meinung.

Die Gruppe bespricht die Anliegen.
Die zuständigen Personen bekommen die Anliegen.
Diese Person sucht nach einer Lösung.

Die Teilhabe-Runde besucht auch Tagungen und Kurse.
Letztes Jahr waren einige an einer Kundgebung in Zürich dabei.
Es ging um die Gleich-Stellung von Menschen mit Behinderung.

Danach werden aktuelle Themen aus dem Wagerenhof aufgenommen und gemeinsam diskutiert. So gibt es beispielweise Beschlüsse aus Teamsitzungen der Agogik, bei denen die Meinung der Bewohnenden gefragt ist, Infos aus dem Freizeit-Bereich oder Anfragen aus der Geschäftsleitung. 

Als Isa eine Antwort in ihren Sprachcomputer tippt, wird jemand ungeduldig. Kurz darauf liest ihr Sprachcomputer vor: «Nicht hetzen!» Simon erinnert die Gruppe an ihre Regeln: «Nur mit der Ruhe. Man soll einander nicht stressen, wenn jemand im Sprachcomputer tippt. Wir warten, bis die Person den Text vorlesen lässt.» Zur Teilhabe gehört auch, dass alle in der Runde tatsächlich zu Wort kommen können. Das ist nicht immer einfach.

Ein Ort für Mitsprache

Die Teilhaberunde ist ein wichtiges Gefäss für die Mitsprache der Bewohnenden im Wagerenhof. Sie vertreten ihre Anliegen und Ideen, idealerweise auch die ihrer Mitbewohnenden, und bringen diese in die Runde ein. Gleichzeitig erhalten sie Informationen über aktuelle Entwicklungen im Wagi und können bei Entscheidungen ihre Meinung einbringen.

Die Themen reichen vom Alltag bis zu grösseren Vorhaben im Wagerenhof: Menüpläne, Freizeitaktivitäten, Hausordnungen oder bauliche Veränderungen können ebenso zur Sprache kommen wie Fragen zur Zugänglichkeit oder zu Veranstaltungen.

Wie wichtig dieser Austausch ist, zeigt ein Beispiel: Auf der grossen Wiese vor der Cafeteria finden immer wieder Anlässe statt. Für Menschen im Rollstuhl ist das Befahren jedoch teilweise schwierig, weil die Wiese nicht eben ist. Ein solches Anliegen kann in der Teilhaberunde aufgenommen und von den Fachmitarbeitenden in die zuständigen Gremien weitergetragen werden. Nicht alle Themen lassen sich sofort lösen. Entscheidend ist aber, dass sie gehört und die zuständigen Schritte unternommen werden.

In fast jeder Teilhaberunde wird ausserdem ein Gast eingeladen. Die Person stellt jeweils einen Bereich des Wagerenhofs vor und erzählt, welche Aufgaben dieser hat, wo er zu finden ist und mit welchen Anliegen man sich an ihn wenden kann. Zu Gast waren beispielsweise Mitarbeitende aus der Küche oder vom Technischen Dienst, aber auch externe Organisationen wie insieme Züri Oberland oder dem Verein Schatzkiste (Partnervermittlung für Menschen mit Beeinträchtigung) aus Zürich. Aus den Vorstellungen entstehen nicht selten Diskussionen, Rückfragen und manchmal auch neue Anliegen.

Die Teilhaberunde befindet sich in einem Entwicklungsprozess. «Echte Teilhabe zu ermöglichen wird immer wieder hinterfragt», erklärt Marc aus der Agogik. Es sind noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Wünschenswert wäre, künftig nebst Bewohnenden auch Mitarbeitende mit Unterstützungsbedarf in die Runde einzubeziehen. Auch eine Fachkommission zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung oder ein stärkeres Einbringen dieser Thematik in der Umgebung von Uster sind Zukunftsideen. Dafür fehlen momentan noch die nötigen Ressourcen. Gleichzeitig zeige sich immer wieder, dass etwas in Bewegung kommt, wenn Menschen sich einbringen: Plötzlich engagieren sich Leute, diskutieren mit und man merkt: «Doch, da geht etwas.»

Auch über den Wagerenhof hinaus soll die Teilhabe sichtbarer werden. Einige Mitglieder der Teilhaberunde haben in den letzten Jahren an externen Tagungen und Workshops teilgenommen. Ebenso waren sie anwesend an der nationalen Kundgebung zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung auf dem Helvetiaplatz in Zürich.

In den vier Mal jährlich stattfindenden Stiftungsratssitzungen sind ebenfalls jeweils ein bis zwei Bewohnende aus der Teilhaberunde in Begleitung dabei. Manchmal als Zuhörende, manchmal bringen sie auch Anliegen aus ihren eigenen Sitzungen mit.

Ein Anliegen zum Schluss

Kurz vor Sitzungsende meldet sich Isa: «Ich finde die Löcher der Postfächer am Haupteingang doof, sie sind nicht einfach zum Aufmachen für mich.» Solche Einwände sind für den Wagi sehr wichtig. Daraufhin geht Simon mit Isa zum Empfang, um dieses Anliegen anzubringen. Beide wissen: Solche Hürden lassen sich nicht von heute auf morgen entfernen. Aber sie werden ernst genommen und es wird nach möglichen Lösungen gesucht. 


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