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Marte Meo macht Potentiale sichtbar

Unternehmenskommunikation,

29. Oktober 2026

«Eigentlich sollten alle diese Weiterbildung besuchen», sind sich die Kursteilnehmenden am Abschlusstag des Marte Meo-Basiskurses einig, «wir haben so viel über uns selbst gelernt und welche Potentiale in unseren Bewohnenden stecken.» 7 Monate voller Selbstreflexion und offener Gespräche liegen hinter der Gruppe. Die im Wagerenhof eingeführte Fachstrategie Marte Meo begleitet Mitarbeitende mittels Videoanalyse durch einen Entwicklungsprozess. Davon profitieren allen voran unsere Bewohnenden: Sie erfahren mehr Lebensqualität und es entsteht eine vertrauensvolle Beziehung zu ihren Betreuerinnen und Betreuern. 

In Leichter Sprache

  • Carmelo arbeitet im Wagerenhof. Er macht einen Kurs. Der Kurs heisst Marte Meo. 
  • In diesem Kurs lernt Carmelo: Wie kann er Bewohnende besser begleiten? 
  • Dafür macht er Filme bei seiner Arbeit. 
  • Zusammen mit anderen schaut er die Filme an und bespricht sie. 
  • Carmelo übt zum Beispiel Geduld. 
  • Er fragt einen Bewohner: Wollen wir zusammen einen Kaffee trinken? 
  • Der Bewohner entscheidet selber, wann er Zeit hat. 
  • Seit dem Kurs verstehen sich die beiden sehr gut. 

Der Marte Meo Basiskurs besteht aus acht Elementen: Kontakt und Atmosphäre, Aufmerksam warten, Benennen von Handlungen, Benennen von Gefühlen, Positiv leiten, Initiativen folgen, Bestätigen und «Linking up», also Kontakte knüpfen und vermitteln.

«Diese acht Elemente entsprechen der Basis menschlicher Interaktion und Kommunikation. Sie unterstützen die gegenseitige Wahrnehmung, fördern Verständnis und schaffen Wertschätzung», sagt Kursleiter Fabian. Zu jedem Element drehen die Kursteilnehmenden ein Video. Es zeigt eine Alltags- oder Arbeitssituation mit einem Bewohnenden oder einem Mitarbeitenden mit Unterstützungsbedarf. Im Kurs werden die Videos gemeinsam angeschaut und analysiert.

«Ich schaue beim Analysieren nicht auf Fehler», erklärt Marte Meo-Trainer Fabian vom Agogik-Team. «Ich schaue auf die gelungenen Momente in der Interaktion. So werden die Teilnehmenden in ihren vorhandenen Ressourcen gestärkt.» Das ist die Grundidee des ganzen Kurses. Auch der Name trägt diesen Gedanken: «Marte Meo» ist Lateinisch und heisst «aus eigener Kraft».

Das Marte Meo Konzept

Die videobasierte Entwicklungsmethode Marte Meo fördert das Verständnis und eine positive Grundhaltung gegenüber den Bewohnenden. Die Mitarbeitenden entwickeln ihre Fähigkeiten als verlässliche und einfühlsame Dialogpartner. Ausserdem gewinnen sie Vertrauen in ihre eigenen Stärken und werden in ihren persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten gefördert. Marte Meo wurde 2020 im Wagerenhof eingeführt und befindet sich im Aufbau. Für den weiteren Ausbau sind wir auf Spenden angewiesen.

Ungewöhnliches wird zur Gewohnheit 

Carmelo arbeitet als agogische Fachkraft in der Wagi-Cafeteria. Dieses Jahr hat er den Basiskurs gemacht. Beim ersten Video war er noch sehr aufgeregt: «Geht das gut mit dem Filmen? Wie wirke ich vor der Kamera? Was denken wohl die anderen?» Doch mit der Zeit wuchs sein Vertrauen. Und die Vorteile der Weiterbildung wurden immer deutlicher. «Der geführte Austausch in der Gruppe hat mir besonders geholfen», sagt Carmelo. «Man sieht, wie der Alltag in den Wohngruppen aussieht. Jeder setzt den Auftrag anders um. Das finde ich sehr spannend. Man bekommt neue Ideen für die eigene Arbeit.»

Nach und nach wurde Carmelo mutiger. Er suchte sich immer anspruchsvollere Situationen für seine Videos aus. Er wollte sich selbst herausfordern. Mit Gian, einem Mitarbeitenden mit Unterstützungsbedarf, wählte er eine ganz neue Aufgabe: Ware im Lager einräumen. Carmelo konzentrierte sich dabei auf drei Elemente: Aufmerksam warten, Benennen von Handlungen und Positiv leiten. Bei der Video-Analyse lobte Fabian ihn: «Du hast mit den Augen guten Kontakt hergestellt. Du hast deine Handlungen Schritt für Schritt erklärt. Das hilft ihm sich zu fokussieren und die Arbeit in grosser Selbständigkeit zu erledigen.» Carmelo war erleichtert: «Ich hoffe immer, dass ich nicht zu viel reinrede.»

Kleine, grosse Fortschritte 

«Am meisten habe ich bei der Aufmerksamkeit gegenüber den Bewohnenden gelernt», sagt Carmelo. Das zeigte sich besonders beim Kaffeetrinken mit einem Bewohner. Nur wenige finden richtig Zugang zu Peter. Er ist meist in sich gekehrt. Viele Menschen und Lärm sind für ihn eine Herausforderung. Umso schöner ist, was zwischen ihm und Carmelo entstanden ist. Eines Tages machte Carmelo den ersten Schritt: «Darf ich mich später zu dir setzen und mit dir Kaffee trinken, Peter? Sag mir einfach, wenn es für dich passt.» So durfte Peter selbstbestimmt entscheiden, ob er will und wann der richtige Moment ist. Bald darauf sass Carmelo bei ihm. Sie plauderten über das Leben. Heute treffen sich die beiden fast jeden Tag.

«Kontakt und Atmosphäre schaffen» hat Carmelo im Marte Meo Kurs gelernt. «Und das Schöne daran ist», sagt Carmelo zum Schluss, «andere Mitarbeitende beobachten meine neu gewonnenen Kompetenzen, fragen nach und wollen es auch in ihre Arbeit integrieren.»

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